Branchenreport Banken – Money makes the World go `round

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Knapp 610.000 Mitarbeiter in fast 2.000 Kreditinstituten mit mehr als 37.000 Filialen - die Kreditwirtschaft ist ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor in Deutschland. Aber ist die Branche immer noch erste Wahl für eine Ausbildung oder ein Duales Studium?

Bis zur Jahrtausendwende gehörte es geradezu zum Standardrepertoire, zu einer Ausbildung zum Bankkaufmann/-frau zu raten. Das galt auch, wenn Schulabsolventen einem Studium nicht abgeneigt war - sollte es in die kaufmännische Richtung gehen, galt die Ausbildung als ideales Einstiegsszenario. So oder so: Eine abgeschlossene Ausbildung zum Bankkaufmann eröffnete Perspektiven für den Beruf oder für ein Anschlussstudium.

Was ist heute daraus geworden? Die Bankenwelt hat im zurückliegenden Jahrzehnt aufregende Zeiten erlebt. Sie waren zum Teil Anlass für Optimismus - man denke an die Einführung des Euro und die Technisierung der Prozesse mit ganz neuen Möglichkeiten zur Kundenansprache über das Internet; sie waren aber auch oft Anlass für Kritik an der Branche - hier sind vor allem die so genannte Subprime-Krise, die Staatsschuldenkrise und Aspekte des Verbraucherschutzes zu erwähnen.

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Es mag manchen überraschen, aber dem guten Ruf der Bankausbildung konnte all das nichts anhaben. Das jedenfalls stellt die Jugendstudie des Bundesverbandes deutscher Banken fest. Danach halten 86 % der Jugendlichen zwischen 14 und 24 Jahren den Bankberuf für eine gute Berufswahl. Der Ausbildungsreport 2013 des DGB bestätigt diesen Befund. Er führt den Bankkaufmann auf Rang eins der Beliebtheitsskala der kaufmännischen Ausbildungsberufe. Diese Einschätzungen haben einen realen Hintergrund. Der Arbeitsmarkt für Bankkaufleute ist weiterhin in einem guten Zustand. Im Jahr 2011 waren lediglich 0,9 % dieser Berufsgruppe arbeitslos (zum Vergleich: 8,6 % in der Gesamtwirtschaft). Die zu vergebenden Stellen der Branche sind interessant und verlangen zunehmend ein hohes Qualifikationsprofil, das mit deutlich steigender Tendenz von Frauen erfüllt wird. Sie stellen mittlerweile gut 30 % der außertariflich Beschäftigten. Die Banken sind auch in Zukunft moderne Arbeitgeber. Sie bieten eine gute Ausbildung, die auf anspruchsvolle Tätigkeiten in den Instituten vorbereiten. Auch vor dem Hintergrund manch rasanter Entwicklungen in der Branche - eines gilt weiterhin: Es lohnt sich für die geeigneten Absolventen aller Bildungswege, über einen Start bei den Banken nachzudenken.

Ausbildung im privaten Bankgewerbe

Der dominierende Ausbildungsberuf der Branche ist der Bankkaufmann. 2016 standen insgesamt 29.063 junge Menschen in einem Ausbildungsverhältnis zum Bankkaufmann. Davon hatten 9.290 Auszubildende ihre Ausbildung im Jahr 2016 begonnen. Der Bankkaufmann gehört damit zu den zahlenmäßig stärksten Ausbildungsberufen. Neben dem Bankkaufmann, der mehr als 90% der dualen Berufsausbildung in der Branche ausmacht, bilden Banken noch in einer Vielzahl anderer Berufe bedarfsgerecht aus. Exemplarisch sind dies z.B. Kaufleute für Büromanagement, Elektroniker für Informations- und Systemtechnik (früher: Systeminformatiker) und Kaufleute für Dialogmarketing. Zusätzlich zu den dualen Ausbildungsberufen bieten viele Banken auch studienförmige Ausbildungsmöglichkeiten an. Hierbei handelt es sich zum größten Teil um duale oder ausbildungsintegrierte Studiengänge (d.h. solche, in denen neben einem Studienabschluss auch der Ausbildungsabschluss Bankkaufmann erworben wird) an staatlichen Hochschule Berufs- und Wirtschaftsakademien.

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Das Bankgewerbe befindet sich in einer Umbruchphase: Auf der einen Seite führen strukturelle Änderungen am Markt zu Filialschließungen und zur Reduzierung des Personals, auf der anderen Seite bieten unter anderem die Veränderungen einer fortschreitenden Digitalisierung und die Erschließung neuer Geschäftsfelder gerade für Berufseinsteiger viele neue Chancen und Herausforderungen. In den letzten Jahren waren die Ausbildungszahlen zum Bankkaufmann rückläufig. Da im Bankgewerbe generell bedarfsgerecht ausgebildet wird, sind die Chancen einer Übernahme nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung aber gut. Im Bereich der studienförmigen Ausbildungsgänge ist das Ausbildungsplatzangebot im Verlauf der letzten Jahre stabil bis leicht ansteigend

Die Banken als moderne Arbeitgeber bieten gute Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten, die auf anspruchsvolle Tätigkeiten in den Instituten vorbereiten. Die Einstiegsgehälter und Sozialleistungen im Bankgewerbe bewegen sich nach wie vor im gehobenen Bereich und müssen den Vergleich mit anderen Branchen nicht scheuen. Wer während der Schulzeit schon einmal einzelne Tätigkeitsfelder kennen lernen möchte, kann unter www.schul-bank.de, einem Angebot des Bundesverbandes deutscher Banken, Informationen abrufen.

Sparkassen-Finanzgruppe

schalterhalleSparkassen-Finanzgruppe

390 Sparkassen mit 13.800 Geschäftsstellen und 224.700 Beschäftigten, davon 15.200 Auszubildende - die Sparkassen-Finanzgruppe ist der größte Ausbilder im deutschen Kreditgewerbe und einer der größten Ausbilder bundesweit. „Sparkassen-Auszubildende schließen regelmäßig als Beste die DIHK-Prüfungen ab und erhalten in ihrer Region namhafte Auszeichnungen. Auf den guten Ruf der Sparkassen-Ausbildung sind wir besonders stolz“, sagte Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV).Gleichzeitig profitiere die Gruppe von den Ideen und Impulsen, die die jungen Menschen mitbrächten. „Viele Auszubildende bewegen sich ganz selbstverständlich in den sozialen Netzwerken und wissen, wie sie und ihre Altersgenossen dort angesprochen werden wollen. Solche Impulse wollen wir aufnehmen und zukünftig das Know-how dieser Generation rund um die digitale Welt in der Ausbildung und der Weiterqualifizierung noch stärker berücksichtigen.“

Insgesamt werden zum Herbst 4.800 junge Menschen ihre Berufsausbildung bei einer Sparkasse, Landesbank, Landesbausparkasse oder einem anderen Verbundunternehmen der Sparkassen-Finanzgruppe beginnen. 97 % der Auszubildenden streben einen Abschluss als Bankkaufmann oder -kauffrau an. Daneben gibt es auch kaufmännische Abschlüsse im Bereich EDV und Bürokommunikation. Mit 53 % liegt der Anteil der weiblichen Nachwuchskräfte leicht über dem der männlichen. Die Übernahmequote nach der Ausbildung beträgt aktuell 86 %.

Die duale Berufsausbildung, bei der sich praxisnahes Lernen in der Sparkasse und Unterricht in der Berufsschule ergänzen, stellt den Großteil der Ausbildungsplätze. Sehr beliebt ist allerdings auch die Kombination von Berufsausbildung und Hochschulstudium. Immer mehr Sparkassen bieten talentierten und leistungswilligen Abiturienten an, parallel zur Ausbildung ein Bachelor-Studium an der Hochschule der Sparkassen-Finanzgruppe zu absolvieren. Dies entspricht dem weiter steigenden Bedarf an hochqualifizierten Fach- und Führungskräften in Sparkassen.

Volksbanken Raiffeisenbanken

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Bei den Kreditgenossenschaften (Volksbanken, Raiffeisenbanken, Sparda-Banken, PSD Banken - ohne Warengeschäft) waren zum 31.12.2016 insgesamt 151.050 Mitarbeiter beschäftigt. Dem allgemeinen Trend im Bankgewerbe entsprechend und insbesondere mit Blick auf die rückläufige Inanspruchnahme von filialgestützten Dienstleistungen ist auch bei den Genossenschaftsbanken mit einem Rückgang der Beschäftigung zu rechnen, der bislang aber regelmäßig über eine Ausnutzung der Altersfluktuation vollzogen wurde. An anderer Stelle wird aber auch zusätzlicher Personalbedarf erwartet, beispielsweise im Social Media-Management und im Bereich Organisationsentwicklung.

Die Anzahl der Auszubildenden bei den Kreditgenossenschaften lag Ende 2016 bei rund 10.650. Etwa 750 davon nahmen an einem ausbildungsintegrierten Studiengang teil. Ähnlich wie in anderen Teilen des deutschen Bankgewerbes zu beobachten, kann ein leichter Rückgang der Ausbildungsverhältnisse nicht ausgeschlossen werden. Den Genossenschaftsbanken bleibt aber weiterhin die Nachwuchsausbildung wichtig.
Der Anteil der Auszubildenden mit dem Ausbildungsziel „Bankkauffrau / Bankkaufmann“ liegt bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen seit vielen Jahren stabil bei rund 90 %. Die Übernahmequote lag 2016 bei über 80 Prozent. Mit nennenswerten Veränderungen ist hier auch in Zukunft nicht zu rechnen.

Die Kundenberatung bleibt voraussichtlich auch in den nächsten Jahren der Schwerpunkt des Rekrutierungsbedarfs der Volksbanken und Raiffeisenbanken. Durch Trends wie Digitalisierung werden schon jetzt verstärkt Spezialisten aus anderen Disziplinen gesucht, beispielsweise IT-Spezialisten.