Branchenreport Handel und Dienstleistung

Drei Millionen Menschen sind im Einzelhandel tätig. Hinzu kommen 1,4 Millionen Arbeitsplätze bei Dienstleistern und Lieferanten - der Einzelhandel konnte 2013 den höchsten Beschäftigtenstand seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland verzeichnen. Die Branche sichert jeden zwölften Arbeitsplatz und ist somit einer der größten Arbeitgeber in Deutschland. Die Beschäftigten des Handels sorgen in mehr als 30 Berufen dafür, dass beim Einkauf alles reibungslos funktioniert. Dabei bietet der Handel ein vielfältiges und abwechslungsreiches Arbeitsumfeld.

Die Arbeitsplätze des Einzelhandels sind an den Standort Deutschland gebunden. Der Beschäftigungsstand ist deshalb weitaus weniger von weltwirtschaftlichen Schwankungen abhängig, als in anderen Branchen. Auch in der jüngsten Wirtschafts- und Finanzkrise hat sich der Handel als zuverlässiger Arbeitgeber bewährt und war durch einen kontinuierlichen Stellenaufbau ein wichtiger Stabilitätsfaktor für die deutsche Konjunktur.

Der Einzelhandel präsentiert sich mit einem breiten, laufend erneuerten Warenangebot. Diese Waren - die Spanne reicht von modischen Artikeln (z. B. Bekleidung, Schuhe) über Glas, Porzellan, Keramik sowie Schmuck und Kosmetika, technische Gebrauchsgüter einschließlich Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik, Lebensmittel und Möbel/Küche bis hin zu Heimwerker- und Hobbybedarf - werden von Fachgeschäften, Discountern, SB-Warenhäusern, Supermärkten, Warenhäusern, Kaufhäusern, Verbrauchermärkten, Boutiquen, Versandhäusern, Online-Händlern u. a. angeboten. Sowohl multinationale Konzerne als auch familiengeführte Fachgeschäfte prägen den Einzelhandel in Deutschland. Die Spanne reicht beim Umsatz von rund 250.000 € bis zu rund 60 Mrd. € pro Jahr, bei der Beschäftigtenzahl vom inhabergeführten Geschäft mit nur wenigen Beschäftigten bis zum Konzern mit mehr als 200.000 Beschäftigten, bei den Ausbildungsunternehmen von einem bis zu etwa 15.000 Auszubildende je Unternehmen.

Was der Handel bietet:

  • Interessante, abwechslungsreiche und krisensichere Arbeitsplätze,
  • Arbeiten in Teams,
  • moderne Ausbildungsberufe, gute Ausbildungsqualität,
  • spezielle Qualifizierungswege für Abiturienten,
  • Karriere mit Lehre, auch ohne Studium,
  • bedarfsgerechte, intensive Weiterbildungsaktivitäten,
  • leistungsgerechte Bezahlung,
  • flexible Arbeitszeiten,
  • gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf,
  • gute Einkommenschancen, insbesondere für Führungskräfte,
  • Chance auf berufliche Selbstständigkeit,
  • zusätzliche Sozialleistungen,
  • tarifliches Urlaubsgeld,
  • Weihnachtsgeld,
  • vermögenswirksame Leistungen,
  • verbilligten Einkauf
  • und tarifliche Altersvorsorge

Ein breites Berufsspektrum

shutterstock 297263669wavebreakmedia/shutterstock.comQualifizierung wird groß geschrieben im Einzelhandel. Über 150.000 Auszubildende und intensive Weiterbildungsleistungen der Unternehmen und der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen unterstreichen dies. Und bei den vielfältigen Wandlungsprozessen im Einzelhandel muss es auch so sein, dass lebensbegleitendes Lernen hohe Bedeutung hat.

Grundlage für jede Karriere im Einzelhandel ist eine gute Ausbildung - entweder in einem der Ausbildungsberufe des dualen Ausbildungssystems oder in einem handelsorientierten Studiengang. Auch wenn aufgrund der zunehmenden Komplexität der Handelsprozesse und der wachsenden Internationalisierung vieler Handelsunternehmen der Akademikeranteil im Handel steigt, gilt nach wie vor, dass die praktische Berufserfahrung, die fundierte Kenntnis der Aufgaben am Point of Sale unerlässlich sind, um eine Karriere im Handel zu starten.
Daher gehört der Handel nach wie vor zu den Wirtschaftsbereichen, in denen das Wort von der „Karriere mit Lehre“ absolut zutrifft: Viele Führungskräfte bis in die ganz hohen Positionen hinein und natürlich viele selbstständige Händler haben ihre Berufslaufbahn mit einer fundierten Berufsausbildung und anschließender Fortbildung im Handel begonnen.

Der Einzelhandel bildet in einer großen Zahl von Berufen aus. Eine Auswahl nach abgeschlossenen Ausbildungsverträgen 2014 insgesamt, also nicht nur im Handel, zeigt folgende Übersicht:

Ausgewählte Ausbildungsberufe im Handel

Kaufmann/-frau im Einzelhandel 26.514
Verkäufer/-in 25.209
Kaufmann/-frau im Groß- und Außenhandel 14.889
Friseur/-in 11.157
Fachkraft für Lagerlogistik 10.167
Koch/ Köchin 9.795
Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk 7.884
Fachlagerist/-in 5.526
Automobilkaufmann/-frau 4.371
Mediengestalter/-in Digital und Print 3.267
Fachkraft im Gastgewerbe 2.061
Konditor/-in 1.929
Fachmann/-frau für Systemgastronomie 1.884
Fleischer/-in 1.575
Kaufmann/-frau für Marketingkommunikation 1.503
Drogist/-in 1.344
Florist/-in 1.161
Gestalter/-in für visuelles Marketing 582
Buchhändler/-in 471
Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice 444
Kaufmann/-frau für Tourismus und Freizeit 429
Kosmetiker/-in 303
Bodenleger/-in 222
Tankwart/-in 96
Buchbinder/-in 66
Fotomedienfachmann/-frau 63
Musikfachhändler/-in 21

 Karriere mit Lehre

shutterstock 307283729wavebreakmedia/shutterstock.comDas duale System der Berufsausbildung hat im Einzelhandel eine sehr hohe Bedeutung. Die Unternehmen rekrutieren ihre Fach- und Führungskräfte in großer Zahl über das fest in der Branche etablierte System der beruflichen Aus- und Fortbildung: Knapp 90 % der Beschäftigten im Einzelhandel haben eine Berufsausbildung, eine Fortbildung oder ein Studium abgeschlossen, nur gut zehn Prozent haben ohne Ausbildungsabschluss einen Arbeitsplatz im Einzelhandel gefunden. Seit einigen Jahren steigert der Einzelhandel die Beschäftigung von Hochschulabsolventen. Inzwischen hat ihr Anteil neun Prozent an allen Erwerbstätigen in der Branche erreicht.

Knapp zwei Drittel der Führungskräfte im Einzelhandel haben ihre Kompetenzen über die berufliche Aus- und Fortbildung erworben (Privatwirtschaft: 34 %). Weitere knapp 20 % zählen, wie in der Privatwirtschaft insgesamt auch, zum beruflich-akademischen Bildungstyp, sie haben berufliche und hochschulische Bildung miteinander verbunden. Nur 16 % der Führungskräfte des Einzelhandels kommen aus den Hochschulen und zählen zum rein akademischen Bildungstyp (Privatwirtschaft: 43 %). „Karriere mit Lehre“ ist im Einzelhandel also weiterhin möglich. Den Absolventen der Berufsausbildung stehen auch die oberen Ebenen in den Unternehmen offen.

Die meisten der erfolgreichen Auszubildenden werden von den Handelsunternehmen in eine Beschäftigung übernommen. Die Sicherung des Fachkräftebedarfs ist das zentrale Ziel der betrieblichen Ausbildungsaktivitäten. 2011 wurden im Einzelhandel 63 % der erfolgreichen Prüflinge übernommen, vier Prozentpunkte mehr als 2010. Damit liegt die Übernahmequote des Einzelhandels auf dem Niveau des Dienstleistungsbereichs und der Gesamtwirtschaft.

Seit Jahrzehnten praktiziert der Einzelhandel sehr erfolgreich und mit steigenden Teilnehmerzahlen die unmittelbare Kombination von beruflicher Ausbildung mit beruflicher Aufstiegsfortbildung. In den Abiturientenmodellen werden die Abschlussprüfung im Ausbildungsberuf Kaufmann/Kauffrau sowie die Fortbildungsprüfung Handelsfachwirt oder Handelsassistent-Einzelhandel erworben. Die zumeist dreijährigen Qualifizierungswege werden gemeinsam von Handelsunternehmen und Bildungseinrichtungen des Einzelhandels durchgeführt. Die Absolventen haben sehr gute Chancen, rasch die erste Führungsposition auf der Ebene des Filial- oder Abteilungsleiters übernehmen zu können. Circa 5.000 junge Menschen nehmen derzeit an diesem erfolgreichen Qualifizierungsweg teil.

Dies zeigt: Als Angestellter kann man/frau Karriere im Handel machen, gerade durch berufliche Ausbildung und anschließende Fortbildung. Rund 80 % der Führungskräfte haben ihre Karriere mit einer Berufsausbildung gestartet.

Mit Abitur in den Handel?