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Ein Ausbildungsplatz über Facebook?

scyther5/shutterstock.com scyther5/shutterstock.com

Klar, ein Facebook-Profil hat eigentlich jeder – als Privatvergnügen. Man postet Fotos der letzten Party, lädt zur nächsten ein, teilt Musik oder skurrile Fundstücke aus dem Internet,  tritt interessanten Gruppen bei und sammelt Freunde rund um die Welt. So weit, so gut. In letzter Zeit spielen soziale Netzwerke wie Facebook aber auch eine immer größere Rolle bei der Jobsuche. Wer bereits im Berufsleben steht und sich verändern möchte, tut sich dabei relativ leicht – schließlich steht bereits eine Branche fest, in der man entweder Erfahrungen und ggfls. auch Kontakte hat, oder in der man einen neuen Arbeitgeber sucht. Und über diese Kontakte erfährt man dann von vakanten Stellen, die vielleicht noch nicht einmal ausgeschrieben sind. Außerdem sind immer mehr Unternehmen mit einem eigenen Profil auf Facebook vertreten. Aber ist das auch etwas für die Suche nach einem Ausbildungs- oder Studienplatz? Wir sprachen mit Andrea Rettig, Jobcoach beim Institut für Berufliche Bildung (IBB) und leitende Koordinatorin des Vermittlungscampus Rostock.

„Frau Rettig, was bringt Social Media bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz?“

„Zuerst muss man einmal die unterschiedlichsten Angebote unterscheiden. In den eindeutig beruflich ausgerichteten Netzwerken wie XING, Experteer oder Linkedin sind ja die wenigsten Jugendlichen Mitglied; wir reden also erst einmal von Facebook.“

„Wie fange ich an?“

„Zuerst sollte man sich die Frage stellen, was man überhaupt erreichen will. Mit ein paar Klicks zum Ausbildungs- oder Studienplatz funktioniert nämlich nicht. Man kann Informationen über Unternehmen oder Universitäten sammeln, Kontakte zu Mitarbeitern, Azubis bzw. Studenten oder zum Unternehmen selbst herstellen. Das wird aber nie zu einer direkten Bewerbung führen.“

„Ok, ein Profil haben die meisten ja längst…“

„...aber das ist in der Regel nicht oder kaum zu gebrauchen. Es fängt mit den Namen an: Phantasienamen gehen gar nicht. Es geht mit dem Inhalt weiter: Wollen Sie wirklich, dass eine Personalabteilung sieht, was Sie so posten, liken und teilen? Und schließlich: Was Sie als zukünftigen Mitarbeiter interessant macht, steht in vielen privaten Profilen gar nicht drin.“

„Was sollte ich also tun?“

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„Ein neues Profil anlegen – strikt getrennt vom privaten Profil! Also nicht alle Freunde kopieren und den gleichen Gruppen beitreten. Ganz wichtig: alle Einstellungen prüfen und Angaben, die ein Arbeitgeber nicht sehen soll, auf „privat“ setzen – nur dann wissen Sie gesichert, wer was sieht. Dann sollte man Interessen und Hobbies angeben, die für den angestrebten Beruf von Relevanz sind und das Profil interessant machen. Der Musikgeschmack hat hier nichts verloren. Die Schullaufbahn gehört auf jeden Fall hinein. Dazu handwerkliche Fähigkeiten, Fremdsprachen, Ehrenämter in Vereinen und soziale Engagements – Informationen und Angaben, die auch einen Lebenslauf in einer Bewerbungsmappe interessant machen. Und dann füllen Sie Ihr Profil mit Leben – das eine oder andere Posting mit Bezug zu den Hobbies oder anderen Aktivitäten sollte schon sein.“

„Mein neues Profil steht – war es das?“

„Nein, jetzt geht die Arbeit eigentlich erst los! Wichtig ist, dass man sich Zeit für die Pflege seines Netzwerks nimmt. Es geht nicht darum, täglich einen neuen Eintrag zu verfassen, aber alle 4 Wochen sollte schon etwas auf der Seite passieren. Denn nichts ist so abschreckend wie eine elektronische „Karteileiche“.

Außerdem muss man natürlich auch selbst aktiv werden - also suchen! Nach interessanten anderen Profilen, nach Gruppen (Jobs + „Ort“) und nach Personen wie Studenten einer bestimmten Universität oder Fakultät, nach Azubis oder Mitarbeitern eines Unternehmens, das mich interessiert. Ganz wichtig: Bevor man einer Gruppe beitritt, sollte man prüfen, ob diese Gruppe „offiziell“ ist. Jeder kann auf Facebook eine Gruppe „Medizinstudenten Uni Musterdorf“ gründen – auch wer gar nicht Medizin studiert. Schauen Sie, ob die Mitglieder der Gruppe aktiv sind! Lädt der letzte Eintrag zum Grillfest der Azubis des Jahrgangs 2010 ein, bringt das wenig. Und checken Sie die Relevanz: Die Gruppe „Uni-Parties Musterdorf“ ist für das Nachtleben hilfreich; Informationen zur Immatrikulation bekommen Sie dort natürlich nicht. Wenn alles passt: Treten Sie bei. Und werden Sie aktiv: Wer sein Interesse an einer Ausbildung oder einem Studium in der richtigen Gruppe postet, bekommt Informationen aus erster Hand! Damit hat man zwar noch keinen Vertrag in der Hand, aber vielleicht die entscheidende Information, um die eigene Bewerbung richtig interessant zu gestalten.“

„Und wo kommen dann die neuen Freunde her?“

„Grundsätzlich gilt: Es kommt nicht auf die Menge an, also prüfen Sie sorgfältig, welche Freundschaftsanfragen Sie annehmen. Wer in den richtigen Gruppen aktiv ist oder sich als Mitarbeiter eines Unternehmens oder Student einer Universität zu erkennen gibt, ist eher ein Kandidat für eine Anfrage als ein anonymes Profil.

„Wie lautet Ihr Fazit?“

„Die eigenen Erwartungen sollten nicht zu hoch angesetzt werden: Über ein Online-Netzwerk wird man nicht von heute auf morgen einen Ausbildungsplatz oder einen Job bekommen. Trotzdem lohnt sich der Einsatz im Internet: Bereits heute wird jede zehnte Stelle mit Hilfe sozialer Netzwerke besetzt – und der Trend geht weiter in diese Richtung.“

„Frau Rettig, vielen Dank für das Gespräch.“

Informationen zu den Weiterbildungsangeboten des IBB gibt es unter Tel.: 0800 / 7050000 (kostenlose Hotline), E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! und im Internet unter www.ibb.com