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Ein Studium kostet richtig Geld – neben den Lebenshaltungskosten wie Miete, Versicherungen, Lebensmitteln und den mittlerweile fast obligatorischen Studiengebühren stehen auch Handy, Auto, Urlaub, die Internet-Flatrate und vieles mehr auf der Wunschliste. 50.000 € für 8 Semester kommen da schnell zusammen
Wer keine reichen Eltern hat oder wenn das BaföG nicht ausreicht (oder man gar keines bekommt), bleibt oft nur die Finanzierung per Darlehen. Grundsätzlich gilt: Die ideale Finanzierung für alle gibt es nicht. Vor- und Nachteile halten sich die Waage, eine Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Finanzierung ist von der persönlichen Situation abhängig. Bei diesen meist Studienkredit genannten Angeboten gibt es drei Versionen:
Kredite zur reinen Deckung der Studiengebühren bieten die Förderbanken der Bundesländer (www.l-bank.de). Dieses Geld bekommt direkt die Hochschule oder Universität. Vor allem interessant für BaföG-Empfänger/innen.
Bildungsfonds bieten Finanzdienstleister an (www.bildungsfonds.de). Nach einem strengen Auswahlprocedere bekommen Studenten in der Regel bis zu 1.000 € monatlich ausgezahlt – manchmal zzgl. Studiengebühren. Vorteil dieser Finanzierung: Die Rückzahlung nach Ende des Studiums ist abhängig vom Einkommen – das finanzielle Risiko ist also überschaubar. Nachteil: das Bewerbungsverfahren hat es meisten in sich – längst nicht jeder besteht die Auswahl. Und: Außer der persönlichen Qualifikation sind keine weiteren Sicherheiten nötig.
Drittes und am weitesten verbreitetes Angebot ist ein auf Studenten zugeschnittener Konsumentenkredit (Studentenkredit oder -darlehen) zur Finanzierung der Lebenshaltungskosten – private wie öffentlich-rechtliche Banken haben ein breites Spektrum an Angeboten. Größter Vorteil: Man studiert unabhängig von BaföG und den Eltern und kann sich auf das Studium konzentrieren (so mancher Schein und so manches Semester fällt dem „Jobben“ zum Opfer – der Kneipenjob bis 3:30 Uhr und die erste Vorlesung um 8:30 Uhr lassen sich eben nicht immer unter einen Hut bringen).
Was kennzeichnet ein faires Angebot? Vor allem Flexibilität – Sie wollen ja Ihr Studium finanzieren und kein Auto. Denn es ist natürlich ein Unterschied, ob Sie Ihr gesamtes Studium, das Hauptstudium oder „nur“ das Examen oder z.B. 2 Auslandssemester finanzieren wollen. Die Kreditsumme kann also erheblich variieren. Empfehlenswert ist nach der Auszahlungsphase (also der geplanten Studienzeit) eine rückzahlungsfreie Phase (bis zu 1 Jahr) – auch Akademiker finden nicht immer sofort nach dem Examen eine gut bezahlte Stelle. Auch die Raten und damit die Zeit für die Rückzahlung sollten Sie flexibel vereinbaren können. Ebenfalls zu empfehlen: ein fester Zinssatz – auch wenn der Bankberater auf diesem Ohr schnell „taub“ wird – variable Zinsen sind schlecht planbar. Außerdem sollten Sie auf Stundung der Zinsen bestehen – sonst werden diese nämlich schon von der monatlichen Auszahlung abgezogen. Ergebnis: Zum Ende des Studiums, also in der Examensphase, bekommen Sie am wenigsten Geld. Und: Vielleicht gewinnen Sie während oder nach dem Studium ja doch im Lotto – die außerordentliche Rückzahlung des Kredites sollte möglich sein.
Allzeit bereit: Die Kennzahl für die Kosten eines Kredits ist der effektive Jahreszins – nur dieser Zinssatz erlaubt einen Vergleich unterschiedlicher Angebote. Informieren Sie sich über die Angebote mehrerer Banken und Sparkassen. Machen Sie sich eine detaillierte Übersicht über Ihre persönliche Situation – die geplante Studiendauer und damit der Kreditbedarf, aber auch über eine zukünftige realistische Rückzahlung. Erst die möglichst vollständige Übersicht über Einnahmen und Ausgaben erlaubt eine realistische Einschätzung Ihres Kreditbedarfs. Denken Sie an Sicherheiten wie z.B. eine Bürgschaft der Eltern. Nehmen Sie Unterlagen der Bank(en) grundsätzlich mit nach Hause und vergleichen Sie in Ruhe! Ohne SchuFa-Auskunft geht übrigens gar nichts. Wer wissen will, welche Daten dort gesammelt sind, kann über www.meineschufa.de eine (kostenpflichtige) Selbstauskunft einholen. Mit allen Informationen und Unterlagen sind Sie dann für das persönliche Gespräch mit der Bank bestens gewappnet. Hier gilt verhandeln – die Konditionen in den Broschüren sind oftmals nicht das allerletzte Wort – und schließlich sind Sie, als angehender Akademiker, ein sehr interessanter Kunde für jedes Kreditinstitut! Ein kostenloses Girokonto ist übrigens Standard – etwas mehr sollte schon drin sein. Einen fairen Eindruck macht z.B. der db Studentenkredit der Deutschen Bank (www.deutsche-bank.de/studenten), der auf die meisten genannten Punkte eingeht. Außerdem sind die Unterlagen der Deutschen Bank wie Checklisten, Selbstauskunft und Studienplan eine gute Vorbereitung auf das Beratergespräch.
Stolpersteine: Achtung bei einer zu großzügigen Kreditsumme: Wenn Sie nach dem Studium krank oder arbeitslos werden, kann ein das Ergebnis der finanzielle Ruin sein. Finger weg von Verträgen, die an Arbeitslosen- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen geknüpft sind – das bekommen Sie getrennt in der Regel günstiger. Versuchen Sie auch, im Gespräch statt einer relativ teuren Restschuldversicherung andere Sicherheiten wie z.B. eine Bürgschaft anzubieten. Ein fester Zinssatz erhöht die Planungssicherheit enorm. Nicht empfehlenswert ist außerdem die Bindung an bestimmte Studienfächer oder sogar Universitäten – eine Umorientierung während des Studiums ist schließlich keine Seltenheit. Sollten Sie Ihr Studium teilweise oder ganz im Ausland planen, informieren Sie die Bank bereits während des Beratungsgespräches. Generell gilt: Möglichst wenig Zusatzleistungen – Kreditkarten, Handyguthaben und Payback-Punkte sollen häufig Angebote aufhübschen, bei den die nackten Konditionen nicht so gut aussehen. Wichtig ist auch das Netz der kostenlosen Geldautomaten: Wenn jede Abhebung 5 € (oder mehr) kostet, weil der nächste „eigene“ Automat der Dorfsparkasse Hornum auf Sylt steht, wird das mit der Zeit richtig teuer. Wenn schon Zusatzleistungen, dann mit echtem Nutzwert: die Deutsche Bank bietet (natürlich) Online-Banking, aber z.B. auch einen Umzugsservice oder ein spezielles Mietkautionskonto – im Fall der Fälle richtig hilfreich.
Weiterführende Links
http://www.bildungsfonds.de
http://www.l-bank.de
http://www.meineschufa.de
http://www.deutsche-bank.de/studenten
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