Branchenreport Versicherungen – Safety first

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Die Versicherungswirtschaft ist einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige in Deutschland. Noch wichtiger ist aber ihre Funktion in Wirtschaft und Gesellschaft – ohne privaten Versicherungsschutz ist eine moderne Gesellschaft oder eine entwickelte Volkswirtschaft kaum denkbar.

Mit 428 Millionen Verträgen übernehmen die deutschen Versicherer Risiken im Alltag nahezu jeden Bürgers und Unternehmens. Wäre Versicherungsschutz sichtbar, man würde ihm auf Schritt und Tritt begegnen. An jedem Auto, an jedem Gebäude der Stadt und in jedem Unternehmen. Mit Beitragseinnahmen von 194 Milliarden Euro gehört die deutsche Versicherungswirtschaft zu den umsatzstärksten Branchen. 2014 erbrachten die Versicherungsunternehmen für ihre Versicherten Leistungen in Höhe von 209 Milliarden Euro.

Zwischen regionalem Verein und Weltkonzern

shutterstock 173558135Shutter_M/shutterstock.comDer deutsche Versicherungsmarkt ist so vielfältig wie seine Kunden. Vom regionalen Versicherer bis zum globalen Konzern, vom Versicherungsverein über öffentliche Versicherer bis zur Aktiengesellschaft finden sich viele Rechts- und Organisationsformen. Unter Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) stehen derzeit 370 Lebens-, Kranken-, Schaden-/Unfall- und Rückversicherer, die etwa 90 Prozent des deutschen Versicherungsmarktes ausmachen.

Hinzu kommen 142 Pensionskassen und 31 Pensionsfonds zur betrieblichen Altersversorgung sowie 36 Sterbekassen und zahlreiche ausländische Anbieter. Darüber hinaus werden einige hundert Versicherer von den Bundesländern beaufsichtigt (meist sehr kleine Versicherungsvereine). Von dieser Anbietervielfalt profitieren vor allem die Versicherten. Viele Unternehmen sind seit jeher in Gruppen organisiert und bieten spartenübergreifend Versicherungsschutz aus einer Hand.

533.000 Erwerbstätige in Deutschland

Hinter der Bereitstellung von Versicherungsschutz stehen vielfältige Aufgaben: Von der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Produkte entsprechend den Bedürfnissen der Kunden und der versicherungsmathematischen Kalkulation der Prämien über die Beratung der Kunden und den Vertrieb von Versicherungsprodukten bis hin zur professionellen Kapitalanlage und der Prüfung und Regulierung der Leistungsfälle.

Erwerbstätige nach Städten (Auswahl)

München 32.940
Köln 25.800
Hamburg 20.650
Stuttgart 11.250
Berlin 10.880
Düsseldorf 11.520
Wiesbaden 8.590
Nürnberg 8.350
Frankfurt 8.870
Münster 7.220
Dortmund 6.050
Karlsruhe 5.060

293.500 Angestellte sind bei Versicherungsunternehmen und im Versicherungsvermittlergewerbe beschäftigt. Hinzu kommen die 239.600 haupt- oder nebenberuflich tätigen selbstständigen Versicherungsvermittler und -berater, die die Nähe zum Kunden ermöglichen.

Lebensversicherungen

  • 92 Mio. Verträge insgesamt (einschließlich Pensionsfonds und Pensionskassen)
  • 74 Mio. Altersvorsorgeverträge z. B. private Rentenversicherung (einschl. Riester- oder Basis-Rente), betriebliche Altersversorgung
  • 29 Mio. Zusatzversicherungen z. B. Berufsunfähigkeitszusatzversicherung, Unfallzusatzversicherung
  • 19 Mio. Risikoversicherungen z. B. Risikolebensversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung

Schaden- und Unfallversicherungen

  • 110 Mio. Kraftfahrtversicherungen
  • 45 Mio. Allgemeine Haftpflichtversicherungen
  • 26 Mio. Private Unfallversicherungen
  • 25 Mio. Hausratversicherungen
  • 22 Mio. Rechtsschutzversicherungen
  • 19 Mio. Wohngebäudeversicherungen

Private Krankenversicherungen

24 Mio. private Krankenzusatzversicherungen
9 Mio. Vollversicherte
9 Mio. Pflegepflichtversicherte

Kennzahlen zur Ausbildung

shutterstock 266725253Max Maier/shutterstock.com2015 wurden 13.845 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum/zur Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzen ausgebildet. 4.819 waren Absolventen der Abschlussprüfung zum/zur Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzen, 1.014 absolvierten die Prüfung zum Versicherungsfachwirt für Versicherungen und Finanzen, 59 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schlossen das Studium zum Bachelor of Insurance Management (B.A.) ab.

In der Versicherungswirtschaft werden große Mengen von Daten verarbeitet, ohne Computersysteme geht (fast) gar nichts. Daher werden außerdem vor allem Fachinformatiker/-in, Fachinformatiker/-in für Systemintegration, Fachinformatiker/-in für Anwendungsentwicklung sowie Informatikkaufleute ausgebildet.

46 % der Azubis sind weiblich. Mehr als 80 % der Auszubildenden haben Abitur, weitere 18 % die Mittlere Reife. 69.8% der Azubis wurden in den Unternehmen ausgebildet, 19,5% in von Unternehmen finanzierten Agenturen und 10.7% waren Teilnehmer dualer Studiengänge.
2015 blieben einige Ausbildungsverhältnisse nicht besetzt oder wurden abgebrochen: 2,7% traten die Ausbildung nicht an, 9,6% brachen die Ausbildung ab und 5.2% der Ausbildungsstellen blieben unbesetzt. Die Weiterbeschäftigungsquoten betrugen 25,2% unbefristet im Innendienst (34,4% befristet) sowie 24,3% unbefristet im Außendienst (17% befristet).

Insgesamt setzt die Versicherungswirtschaft auch nach der Ausbildung sehr stark auf die berufliche Weiterbildung ihrer Mitarbeiter. 98% der Unternehmen unterstützen ihre Mitarbeiter dabei finanziell, 90% stellen sie dafür frei.

Ausbildung (zum Teil) im Ausland?

shutterstock 234047362VGstockstudio/shutterstock.comObwohl vor allem die großen Versicherungskonzerne natürlich seit langem international tätig sind, ist ein Auslandsaufenthalt während der Ausbildung in der Branche derzeit noch die Ausnahme. Trotzdem wird das Angebot, auch im Rahmen europäischer Förderprogramme, immer größer. Wer jetzt während seiner Ausbildung einige Wochen oder sogar Monate im Ausland absolviert, hat bei zukünftigen Bewerbungen ganz sicher die Nase vorn. Die Chance für einen Auslandsaufenthalt steigt, wenn das Unternehmen Niederlassungen oder sogar die Zentrale im Ausland hat - also die Website checken! Im Bewerbungsschreiben kann man den Wunsch nach internationaler Erfahrung bereits thematisieren - spätestens im Vorstellungsgespräch sollten Sie das Thema ganz konkret ansprechen.

Das Berufsbildungswerk der Deutschen Versicherungswirtschaft (BWV) e.V. als Branchenverband schlägt seinen Mitgliedern u.a. folgende Auswahlkriterien für die geeigneten Bewerber für einen Einsatz im Ausland vor:

  • Gute schulische Leistungen
  • Gute Sprachkenntnisse in Englisch (Versicherungsenglisch) bzw. einer anderer Fremdsprache
  • Für einen Auslandsaufenthalt relevante Persönlichkeitsmerkmale wie Offenheit für neue Kulturen, Selbstständigkeit, Flexibilität, Kommunikationsfähigkeit
  • Volljährigkeit
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