Ausbildung und Karriere im Einzelhandel mit Abitur

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Der Einzelhandel bietet leistungsorientierten jungen Leuten mit Hochschulreife sehr interessante Ausbildungswege an, die eine besonders interessante Alternative zum Hochschulstudium darstellen:

Berufsintegrierte Bildungsgänge

  • zum Handelsfachwirt/zur Handelsfachwirtin oder
  • zum Fachwirt/in für Vertrieb im Einzelhandel)

Innerhalb von zweieinhalb bis drei Jahren kann man so ergänzend zum Ausbildungsabschluss und zur AEVO-Prüfung in einem einzigen Bildungsgang bereits auch den Fortbildungsabschluss als wichtige Eintrittskarte für Führungspositionen im Einzelhandel erwerben.

Zumeist wird folgender Ablauf des Qualifizierungsprozesses gewählt: Betrieb und Lernende/r schließen einen (Fortbildungs-)Vertrag; die Qualifizierung erfolgt parallel und inhaltlich abgestimmt im Betrieb und in einem Bildungszentrum des Handels (Blockseminare in homogenen Lerngruppen); nach knapp 2 Jahren wird die Ausbildungsabschlussprüfung (zum/zur Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel) vor der IHK abgelegt; nach weiteren ca. 3 - 5 Monaten erfolgt die AEVO-Prüfung, die unerlässlich für alle ist, die Führungspositionen im Handel ausüben bzw. ein Unternehmen gründen und anschließend verantwortlich ausbilden wollen. Und nach drei Jahren geht es bereits zur Fortbildungsprüfung. Nach bestandener Prüfung hat man/frau bereits einen sehr wichtigen Schritt zur Karriere getan: Es folgt zumeist die „Substitutenposition“; danach geht es über den Abteilungs- oder Marktleiter weiter aufwärts. Und mit rund 25 Jahren bezieht man/frau ein sehr ordentliches Jahresgehalt und übt einen spannenden und verantwortungsvollen Beruf aus.

Berufsakademien, duale Studiengänge, Hochschulstudium

Zahlreiche Handelsunternehmen kooperieren auch mit Berufsakademien - in Baden-Württemberg zum Beispiel umbenannt in duale Hochschule - und Fachhochschulen, um in Bachelorstudiengängen Führungsnachwuchskräfte auszubilden. Ein sechs- bis achtsemestriges Studium wird im dualen Studium mit einer betrieblich-praxisorientierten Ausbildung kombiniert. Und für eine größer werdende Zahl an Arbeitsplätzen im Handel ist auch ein betriebswirtschaftliches Hochschulstudium zum Bachelor (an einer Universität oder Fachhochschule) besonders hilfreich.

Schulische Vorbildung

Für keinen der Berufe im dualen Ausbildungssystem ist ein bestimmter Mindest-Schulabschluss vorgegeben: Jeder Ausbildungsberuf steht bei entsprechender Eignung grundsätzlich sämtlichen Schulabgängern offen. Dennoch haben sich gewisse Schwerpunkte herausgebildet: Die Anforderungen der Berufe und die Wünsche von Betrieben wie Jugendlichen haben Einfluss. In den zentralen Einzelhandelsberufen Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel und Verkäufer/-in werden vorwiegend Realschulabsolventen und Hauptschulabgänger ausgebildet. Wer den Hauptschulabschluss nicht geschafft hat, hat nur in Ausnahmefällen eine Chance auf einen Ausbildungsplatz im Einzelhandel.

Im Beruf Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel werden recht häufig und gern auch Abiturienten bzw. Hochschulzugangsberechtigte zur Ausbildung eingestellt. Zudem gibt es mit den sog. Abiturientenqualifizierungsgängen besondere Qualifizierungswege, in denen auf dem Weg zum Fortbildungsabschluss Fachwirt für Vertrieb im Einzelhandel oder Handelsfachwirt auch der Ausbildungsabschluss Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel erworben wird. Zudem ist dieser Qualifizierungsgang zumeist verbunden mit dem Erwerb der Ausbildereignung - die erfolgreiche Prüfung nach der Ausbilder-Eignungs-Verordnung (AEVO) vorausgesetzt.

Den passenden Ausbildungsbetrieb finden

Fangen Sie auf jeden Fall rechtzeitig mit der Suche an. Insbesondere größere Unternehmen im Handel entscheiden oft schon zu Beginn des Kalenderjahres über die Besetzung der Ausbildungsplätze für das nächste Ausbildungsjahr, das stets im Spätsommer beginnt (1.8. bis 15.9.). Wer also frühzeitig mit der Suche beginnt und auch beharrlich am Ball bleibt, hat die besten Chancen, den richtigen Ausbildungsbetrieb zu finden. Nutzen Sie insbesondere auch Betriebspraktika, z. B. im Rahmen des berufswahlvorbereitenden Unterrichts, um die Perspektiven für eine anschließende Berufsausbildung zu erkunden.

Arbeitsbedingungen im Einzelhandel

  • Die tarifliche Wochenarbeitszeit beträgt zumeist 37,5 Stunden - auch wenn die Geschäfte bis zu 80 Stunden in der Woche geöffnet haben können. Dies bedeutet, dass es für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Einzelhandel während der Woche zum Teil beträchtliche Freizeitblöcke und flexibel zu gestaltende Arbeitszeiten gibt.
  • Es gibt zum Teil erhebliche Zuschläge zum Gehalt bei Arbeit während der sog. Spätöffnung (Montag bis Freitag von 18:30 Uhr bis 20:00 Uhr, an Samstagen nach 14:30 Uhr), an Sonn- und Feiertagen, bei Arbeit während der Nacht und bei Mehrarbeit.
  • Der Einzelhandel bietet sehr gute Chancen auf flexible Arbeitszeitgestaltung und Teilzeitarbeit und somit auch auf Umsetzung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
  • Arbeit im Stehen, bei künstlichem Licht, in klimatisierten Räumen - klar, das kommt vor. Es ist aber weit weniger schlimm, als manchmal behauptet wird.
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