Lohnt sich die Steuererklärung für Azubis?

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Das erste selbst verdiente Geld in der Ausbildung, die monatlichen Lohnzettel, die Lohnsteuerbescheinigung des Arbeitgebers, das erste Mal selbst krankenversichert: Auszubildende werden mit vielen Informationen und viel Papierkram überflutet. Hier deshalb die wichtigsten Informationen für Auszubildende, die sie rund um die Themen Ausbildung, Steuern und Kindergeld kennen sollten, denn mit dem ersten eigenen Gehalt beginnt auch die grundsätzliche Steuerpflicht für Azubis. Gleichzeitig können Berufsanfänger damit aber auch berufliche Kosten in der Steuererklärung geltend machen.

Müssen auch Auszubildende Steuern bezahlen?

Die erste Frage, die sich Auszubildende häufig stellen, ist die Frage, ob sie auch Steuern bezahlen müssen. Die Antwortet lautet: Grundsätzlich ja, praktisch aber oftmals nein. Auszubildende, die eine Lehre machen, erhalten eine Ausbildungsvergütung. Dabei handelt es sich um Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit. Und diese Einkünfte muss ein Auszubildender wie jeder andere Arbeitnehmer auch versteuern. Die Steuern – hier Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer – behält der Arbeitgeber ein und führt sie ans Finanzamt ab.

Praxis-Tipp: In der Praxis ist es jedoch so, dass Auszubildende wegen ihrer geringen Ausbildungsvergütung keine Steuern zahlen müssen. In Lohnsteuerklasse I für Ledige dürfen Ausbildende monatlich bis 946 Euro Bruttogehalt erhalten, ohne dass dafür Steuern anfallen.

Welche Informationen benötigt der Arbeitgeber zur Ermittlung der Steuerabzüge?

Damit der Arbeitgeber die korrekten Daten zur Ermittlung der monatlichen Steuerabzüge erhält, müssen Auszubildende ihm folgende Informationen geben:

  • das Geburtsdatum
  • die persönliche Steuer-Identifikationsnummer
  • die Information, dass er Hauptarbeitgeber ist

Mit diesen Daten kann der Arbeitgeber elektronisch die über den Auszubildenden beim Finanzamt gespeicherten Lohnsteuerabzugsmerkmale (ELStAM) wie Steuerklasse, Religionszugehörigkeit, etc. elektronisch abrufen und bei der Ermittlung der monatlichen Steuerabzugsbeträge verwenden.

Lohnt sich die Abgabe einer Einkommensteuererklärung?

Ob sich die Abgabe einer Einkommensteuererklärung beim Finanzamt für Ausbildende lohnt, hängt davon ab, ob der Arbeitgeber in diesem Jahr Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer ans Finanzamt abgeführt hat. Falls nein, kann auf die Einreichung einer Einkommensteuererklärung verzichtet werden. Falls tatsächlich Steuern einbehalten wurden, sollte unbedingt eine Steuererklärung ausgefüllt werden. Denn meist werden Auszubildenden sämtliche Steuern erstattet.

Praxis-Tipp: Bei Auszubildenden bietet sich die vereinfachte Einkommensteuererklärung an. Das ist eine verkürzte Einkommensteuererklärung mit nur zwei Seiten zum Ausfüllen. Das ist deutlich einfacher und führt schneller zum gewünschten Ziel – nämlich zur Erstattung der gezahlten Steuern.

Welche typischen Werbungskosten können Azubis absetzen?

shutterstock 229154542komisar/shutterstock.comMusste ein Auszubildender Steuern bezahlen, kann er sich diese vom Finanzamt wiederholen, in dem er beim Finanzamt eine Einkommensteuererklärung einreicht und dem Finanzamt sämtliche Ausgaben auflistet, die im Zusammenhang mit der Lehre angefallen sind. Typische Werbungskosten sind unter anderem:

Fahrtkosten zur Ausbildungsstätte: Hierfür dürfen 0,30 Euro je Kilometer für die einfache Strecke von der Wohnung zur Arbeit als Werbungskosten geltend gemacht werden. Beispiel: 210 Arbeitstage x 30 km x 0,30 Euro/km =1.890 Euro.
Bewerbungskosten: Ausgaben für Fotos, Kopien, Beglaubigungen, Papier und Porto können als Werbungskosten abgezogen werden. Für die Fahrten zum Bewerbungsgespräch dürfen die tatsächlichen Kosten mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder 0,30 Euro je Kilometer für die Hin- und Rückfahrt bei Benutzung eines Autos steuersparend berücksichtigt werden.
Kontoführung: Für Kontoführungsgebühren dürfen 16 Euro geltend gemacht werden.
Sonstige Kosten: Abziehbar sind zudem sämtliche Ausgaben, bei denen Sie das Finanzamt davon überzeugen können, dass sie aus beruflichen Gründen entstanden sind. Beispiel: Ausgaben für Telefonkosten, Kauf von Arbeitsmitteln, Nachhilfe für Berufsschulfächer.

Praxis-Tipp: Die Abgabe einer Steuererklärung macht eigentlich nur Sinn, wenn die Werbungskosten aus nichtselbständiger Arbeit über dem Werbungskostenpauschbetrag für Arbeitnehmer von 1.000 Euro liegen. Liegen die Werbungskosten darunter, gibt es stets einen Werbungskostenabzug von 1.000 Euro. Dieser Arbeitnehmerpauschbetrag wird bereits bei Berechnung der monatlichen Lohnsteuer berücksichtigt.

Bekommen Eltern während der Ausbildung noch Kindergeld?

shutterstock 266725253Max Maier/shutterstock.comEltern haben grundsätzlich einen Kindergeldanspruch, solange sich ein Kind noch in Ausbildung befindet und seinen 25. Geburtstag noch nicht gefeiert hat. Es gibt jedoch eine Einschränkung. Handelt es sich bei der Lehre um eine Zweitausbildung und die wöchentliche Arbeitszeit liegt bei über 20 Stunden, stellt die Familienkasse die Kindergeldzahlungen an die Eltern ein. Eine Zweitausbildung liegt vor, wenn ein Kind vor einer Lehre bereits ein Studium abgeschlossen hat oder vor der Lehre bereits eine andere Ausbildung absolviert hat.

Ist der Sonderausgabenabzug für Beiträge des Kindes möglich?

Geht Ihr Kind noch zur Schule, absolviert eine Ausbildung oder studiert und Sie bekommen noch Kindergeld, winkt Ihnen in der Einkommensteuererklärung ein oftmals unbekanntes Steuersparmodell. Sie dürfen die Beitragszahlungen des Kindes zur Kranken- und Pflegeversicherung als Sonderausgaben steuerlich geltend machen.

Beispiel: Der selbständige Handwerker Müller und seine Frau haben einen 19-jährigen Sohn, der gerade eine Lehre macht. Der Lohnsteuerbescheinigung 2014 des Sohnes kann entnommen werden, das der Ausbildungsbetrieb des Sohnes im Jahr 2014 935 Euro für Krankenversicherungsbeiträge und 116 Euro für Pflegeversicherungsbeiträge einbehalten und abgeführt hat.
Folge: Diese Beitragszahlungen dürfen die Eltern als Sonderausgaben in ihrer Einkommensteuererklärung berücksichtigen.

Das müssen Eltern zum Sonderausgabenabzug wissen:

Damit das Finanzamt dem Sonderausgabenabzug für Beitragszahlungen eines Kindes zur Kranken- und Pflegeversicherung in der Einkommensteuererklärung der Eltern zustimmt, müssen Eltern Folgendes beachten: Grundvoraussetzung ist, dass Eltern für ihr Kind noch einen Kindergeldanspruch haben. Beantragen Eltern in ihrer Einkommensteuererklärung einen solchen Sonderausgabenabzug, darf das Kind in einer eigenen Einkommensteuererklärung die Beitragszahlungen nicht noch einmal geltend machen. Angaben zum Sonderausgabenabzug für Beiträge ihres Kindes machen Eltern in der Anlage Kind.

Praxis-Tipp: Übereifrige Finanzbeamte lassen den Sonderausgabenabzug häufig nicht zu, weil die Beiträge durch den Arbeitgeber des Kindes abgeführt wurden. Argumentation der Sachbearbeiter im Finanzamt: Die Eltern können nichts abziehen, weil sie schließlich keine Ausgaben hatten. Doch diese Aussage ist nicht korrekt. Die Beiträge des Kindes werden so behandelt, als hätten sie die Eltern gezahlt, wenn die Eltern dem Kind gegenüber ihre Unterhaltspflichten erfüllt haben (Gewährung von Unterkunft und Verpflegung).

Autor: Bernhard Köstler, mit freundlicher Genehmigung durch www.deutsche-handwerks-zeitung.de

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